120 Jahre Naturkosmetik zwischen Tradition, Pflanzenkraft und Innovation
Auszug aus dem Interview von LifeVERDE | September 2026
Klare Haltung zu Tierversuchen
LifeVERDE: Ihr Gründer lehnte Tierversuche ab, als diese in der Kosmetikbranche noch völlig normal waren. Wie prägt diese ethische Haltung aus dem Jahr 1905 noch heute die Unternehmenskultur – und wo spüren Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das im Alltag?
CHRISTIN LÜDEMANN: Dass unser Gründer bereits 1905 eine klare Haltung zu Tierversuchen hatte, zeigt etwas, das für mich bis heute wichtig ist: Verantwortung beginnt nicht dort, wo der Gesetzgeber sie verlangt. Manchmal muss man eine Entscheidung treffen, weil man selbst davon überzeugt ist. Diese Haltung zieht sich bis heute durch das Unternehmen. Natürlich haben sich die Themen verändert. Heute geht es zusätzlich um die Herkunft von Rohstoffen, um Rezepturen, Verpackungen, Nachhaltigkeit oder die Frage, mit welchen Partnern wir zusammenarbeiten. Wir möchten Produkte herstellen, hinter denen wir auch persönlich stehen können, weil sie eine sicht- oder spürbare Wirkung versprechen.
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter merken das vor allem an den kurzen Wegen. Wenn jemand eine Idee hat, oder etwas auffällt, was man besser machen kann, brauchen wir dafür kein betriebliches Vorschlagwesen, das machen wir direkt und schnell. Und ich glaube, genau das gehört zu einem Familienunternehmen: Man trägt nicht nur Verantwortung für Zahlen, sondern auch für Menschen, Produkte und das, was man als Unternehmen hinterlässt.
neuform® Zertifizierung
LifeVERDE: Die neuform®-Richtlinien, unter denen ARYA LAYA zertifiziert ist, schließen Parabene, Paraffine, Silikone und Mikroplastik aus – eine Positionierung, die viele Wettbewerber scheuen. Wie schwer ist es, diese Standards wirtschaftlich durchzuhalten, und wann haben Sie zuletzt auf einen Rohstoff verzichtet, der kurzfristig verlockend gewesen wäre?
CHRISTIN LÜDEMANN: Auf die genannten Rohstoffe zu verzichten, fällt uns nicht schwer. Wir glauben nicht, dass diese einen Nutzen für den Kunden und seine Haut haben. Mit einigen dieser Rohstoffe lassen sich bestimmte Texturen, ein Hautgefühl oder eine sehr einfache Verarbeitung technisch leichter erreichen. Aber sie sind aus unserer Sicht nicht gut für die KundInnen und haben auch keine Wirkung, sie täuschen lediglich ein gutes Hautgefühl vor, weil sich etwas auf die Haut legt.
Die neuform® Richtlinien entsprechen den gängigen Naturkosmetik Standards und gehen dann noch etwas weiter. Z.B. bei der Schadstoffprüfung. Für uns sind diese Standards keine Einschränkung, die wir widerwillig erfüllen. Sie sind ein Teil unseres Produktversprechens.
Bei Neuentwicklungen erleben wir diese Entscheidung regelmäßig. Ein Rohstoff kann technologisch hochinteressant sein und einen wunderbaren Effekt oder eine außergewöhnliche Sensorik liefern. Wenn er unsere Anforderungen beziehungsweise die neuform®-Richtlinien nicht erfüllt, weil er zum Beispiel synthetisch hergestellt ist oder von einem toten Tier stammt, kommt er natürlich nicht in die Rezeptur.
Der Fett-Feucht Balancer Klassiker
LifeVERDE: Der Fett-Feucht Balancer wurde 1984 entwickelt und ist bis heute das meistverkaufte Kosmetikprodukt im Reformhaus. Was verrät dieses Produkt über die Innovationsphilosophie von ARYA LAYA – und wie gelingt es einer 40-köpfigen Manufaktur, mit hochspezialisierten Labors der Großindustrie mitzuhalten?
CHRISTIN LÜDEMANN: Der Fett-Feucht Balancer erzählt eigentlich sehr viel über unsere Vorstellung von Innovation. Nämlich, dass Innovationen auch langfristig erfolgreich sind. Die Idee, der Haut Fett und Feuchtigkeit bedarfsgerecht miteinander kombiniert anzubieten, war 1984 außergewöhnlich. Und offensichtlich ist das Bedürfnis heute noch genauso relevant. Dass ein Produkt nach mehr als 40 Jahren noch immer so erfolgreich ist, finde ich beeindruckender als jeden kurzfristigen Trend-Hype. Ich halte es nicht für sinnvoll alle 2 Jahre das Sortiment durchzutauschen. Wir haben Klassiker im Sortiment und wir haben pro Jahr circa sechs bis zehn Neuentwicklungen. Übrigens ist unsere Innovation aus dem Jahr 2023 Hydro Hafer Tag & Nachtpflege mittlerweile auf Platz 1 der meistverkauften Kosmetikprodukte im Reformhaus. Nicht nur von ARYA LAYA, sondern insgesamt.
Unsere Stärke im Vergleich zur Großindustrie ist, dass wir klein, schnell und sehr nah am Produkt und an den KundInnen sind. Wir denken ja in ganz anderen Dimensionen und Mengen, das bietet sehr viel mehr Raum für besondere Produktideen. Unsere Produktentwicklung arbeitet eng mit Rohstoffherstellern, Lieferanten, Produktion, Handel und natürlich mit den Menschen zusammen, die unsere Produkte verwenden.
Und wir haben etwas, das man nicht kaufen kann: sehr viel Erfahrung mit Ölen, Pflanzenwirkstoffen, Emulsionen und insbesondere mit Zwei-Phasen-Produkten. Diese Hautfunktionsöle gehören seit Jahrzehnten zu unserer DNA. Dieses Wissen entwickelt sich von Rezeptur zu Rezeptur weiter. Eine kleine Manufaktur kann deshalb durchaus hochinnovativ sein – manchmal gerade deshalb, weil Entscheidungen nicht erst durch zehn Hierarchieebenen müssen.
Wirkstoffe
LifeVERDE: Parakresse, fermentierter Hafer, Hyaluronsäure – Ihre Wirkstoffe klingen zuweilen wie eine Speisekarte der Botanik. Wie entscheidet das Labor, welchem Pflanzenwirkstoff die nächste Serie gehört? Und was war bislang die überraschendste Zutat, die Sie jemals in ein Produkt integriert haben?
CHRISTIN LÜDEMANN: Wir starten tatsächlich möglichst nicht mit der Frage: „Welcher Wirkstoff ist gerade angesagt?“
Die erste Frage lautet: „Was möchten wir auf der Haut erreichen?“ Geht es um Feuchtigkeit, eine stabilere Hautbarriere, Elastizität, weniger Rötungen, weniger Fältchen oder um mehr Ausstrahlung? Ein Wirkstoff muss wissenschaftlich und kosmetisch interessant sein, in unsere Naturkosmetik-Philosophie passen, sich sinnvoll formulieren lassen und am Ende auch auf der Haut überzeugen. Besonders spannend finde ich Wirkstoffe, bei denen man zunächst gar nicht vermutet, was in ihnen steckt. Parakresse ist so ein Beispiel. Mit diesem Wirkstoff erzeugt man wirklich eine Botox ähnliche Wirkung.
Aktuell fasziniert mich besonders ein Wirkstoff, der aus dem Harz des Pistazienbaums gewonnen wird und den wir in unserer Hyaluron Miracle Night einsetzen. Es ist eine pflanzliche Retinol-Alternative und damit ein Vitamin A-Booster. Wer denkt bei einem Baumharz zunächst an moderne Anti-Aging-Kosmetik? Genau solche Entdeckungen liebe ich. Sie zeigen, dass Naturkosmetik längst nicht bedeutet, einfach ein bisschen Pflanzenöl und Kräuter in eine Creme zu geben. Hinter moderner Naturkosmetik steckt heute sehr viel Forschung.
- Bindet Feuchtigkeit
- Füllt Trockenheitsfältchen
- Für eine strahlende, geschmeidige Haut
- Die pflanzliche Lifting-Alternative
- Spendet intensive Feuchtigkeit
- Reduziert die Falten sofort sichtbar
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Glas statt Plastik
LifeVERDE: Glas statt Plastik, Bio-Wirkstoffe, recyclingfähige Verpackungen – Nachhaltigkeit ist bei ARYA LAYA kein Trend, sondern Teil der DNA. Wo sehen Sie dennoch die größten blinden Flecken in der Naturkosmetikbranche, und an welcher Stelle müsste ARYA LAYA selbst noch ehrgeiziger werden?
CHRISTIN LÜDEMANN: Ein blinder Fleck ist für mich die Annahme, dass „natürlich“ automatisch auch „nachhaltig“ bedeutet. So einfach ist es leider nicht. Man muss die gesamte Kette betrachten: Wo wächst ein Rohstoff? Wie wird er angebaut und verarbeitet? Wie weit wird er transportiert? Wie energieintensiv ist die Herstellung? Wie viel Verpackung braucht ein Produkt? Wie schwer ist diese Verpackung und wie gut kann sie tatsächlich wiederverwertet werden? Auch Glas ist beispielsweise nicht automatisch in jeder Situation ökologischer als Kunststoff.
Nachhaltigkeit bedeutet deshalb für uns zunehmend, nicht in einzelnen Materialien zu denken, sondern den gesamten Lebenszyklus eines Produktes anzuschauen. Und da können auch wir noch besser werden. Ich würde mir wünschen, dass wir Verpackungen noch konsequenter reduzieren und vereinfachen, aber wir müssen auch so viele Informationen auf den Verpackungen angeben, dass man oft gar nicht auf Faltschachteln verzichten kann.
Nachhaltigkeit sollte meiner Meinung nach nie ein Zustand sein, bei dem man irgendwann sagt: Jetzt sind wir fertig. Sobald man genauer hinschaut, findet man den nächsten Punkt, den man verbessern kann. Nachhaltigkeit heißt für mich aber auch, dass unser KundInnen mit unseren Produkten zufrieden sind und diese bis zum letzten Tropfen aufbrauchen. Ich glaube, da sind wir schon ganz gut.
Quelle: LiveVERDE
Das ganze Interview mit Christin Lüdemann finden Sie auf:
https://www.lifeverde.de/nachhaltigkeitsmagazin/